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Cambodia, die ersten Wochen, gefühlt sehr kurz, haben wir nun schon hinter uns. Trotz des recht straffen Programms fühlt sich es doch im Augenblick immer noch sehr nach Urlaub an. Wäre zu hoffen, dass dies auch so bliebe. Es ist angenehm warm, es weht meistens eine kleine Briese. Auch wenn wir dies im April, dem wärmsten Monat, anders sehen werden, im Augenblick sind die Tropen gar nicht so übel.
Phnom Penh ist für mich eine typisch asiatische Stadt. Warm, laut, bunt, in der Luft liegt der Duftmischmasch aus leckerem Essen, Blumen, Müll und Auspuffgasen. Ab 40 Grad und Windstille könnte das zu einer echten Herausforderung werden. Wir werden es in einigen Monaten wissen. Der Verkehr ist, als Unbeteiligter, von einer bestimmten Faszination. Uns ist im Augenblick noch nicht so ganz klar welchen Regeln - oder was auch immer - der Verkehr unterliegt. Irgendeiner größeren Macht vielleicht. Alles fährt eigentlich immer und gleichzeitig. Ampeln sind, so erscheint es jedenfalls, eher eine Art von Straßenbeleuchtung oder Straßenschmuck, so wie Wimpel und Fähnchen. Muss eben sein. Ist modern. Haben alle. Vielleicht war es auch ein Projekt irgendeiner Entwicklungshilfeorganisation. Wie oft bei nichtpartizipativen Projekten am wirklichen Bedarf vorbei. Jungen Menschen in Uniform, so ähnlich wie Schülerlotsen, mit Fahnen und Megaphonen, versuchen an den Kreuzungen für die Ampeln und deren scheinbaren Sinn Werbung zu machen. Nicht immer erfolgreich. Wozu auch. Es geht ja auch so. Wir haben es als Fußgänger, die es eigentlich nicht gibt, da alles und jeder mit dem Motodub (Moped-Taxi), einem Tuk Tuk oder einem Lexus fährt, auch über die Straßen geschafft. Nicht zögern, nicht langsamer werden, nicht hinsehen. Einfach gehen. Schon ist man auf der anderen Seite. Meistens jedenfalls. Wir haben wohl ein gutes Karma und das hoffentlich noch lange.
Obwohl wir uns einige Zeit lassen wollten und sich unseren Mägen erst allmählich auf die andere Kost einstellen sollten, konnten wir doch nicht widerstehen. Wir mussten das Essen einer der vielen Garküchen probieren. Wer nicht wagt, der .... bekommt auch keinen Durchfall. Angelockt durch die vielen leckeren Meeresgetiere, tropischen Obstköstlichkeiten und fleischigen Verlockungen (ich meine wirklich Hühner-, Schwein- und was auch sonst nach Fleisch haben könnte) genossen wir ein leckeres Nudelgericht. Egal was auch als Zutat genutzt wurde, es hat gemundet. Selbst die unzähligen Menschen an den Verkaufsständen schienen ein wenig ruhiger zu werden, ein wenig inne zu halten. Vielleicht kam es mir auch nur so vor, da mir die Nutzung einer feilgebotenen Gewürzmischung kurzzeitig das Atmen erschwerte und ich aus unerfindlichen Gründen schweißperlenbildend nach dem einen oder anderen Getränk gierte. Nur nicht zeigen, wie es mir wirklich geht. Ein verkrampftes Lächeln im Gesicht genoss ich meine Nudeln bis zum Schluss. Warum muss ich auch alles immer probieren müssen. Der Schmerz ließ dann auch bald nach und wir liefen frohen Mutes weiter durch die Stadt.
Es ist schon erstaunlich, was ein normales Moped so alles transportieren kann. Ich meine hiermit nicht nur die 40 Körbe, zwei Schweine, 5 erwachsene Personen und allerlei anderes sperriges Zeug, wofür wir in Berlin sicher eine Robbe (Miet-LKW) gemietet hätten. Es ist vielmehr erstaunlich, welche Massen von so einem kleinem Motor bewegt werden können. Ich frage mich, wozu wir zu Hause Baufahrzeuge und Tieflader brauchen. In Kambodscha braucht man die jedenfalls nicht. Das Material für ganze Hochhäuser wird mit dem Moped herangefahren. Wenn der Platz auch mit dem Sozius nicht reicht, wird schon mal auch ein Anhänger angehängt. Dass der 4-5 Meter lang ist spielt nicht so eine Rolle. Aber wie soll man auch sonst 10 Meter Abflussrohre und das zusätzliche Material auf einmal zur Baustelle bekommen und später die gesamte Ausstattung mit Betten, Matratzen und Kühlschrank, aber nicht für eine Wohnung, sondern für die gesamte Etage, transportieren. Hier gilt nicht Hubraum statt Spoiler, sondern Masse statt Kubik. Wenn ich alles außeracht lasse, dass solch kleine Motoren diese Gewichte bewegen können. Eine Sache ist trotzdem ein Rätsel: wie schaffen Mopedbremsen diese Gefährte mit diesen Massen wieder zum halten zu bringen? Dass das geht, jedenfalls mehr oder weniger, sehe ich jeden Tag. Aber warum? Wird wohl wieder die höhere Macht sein. Die kambodschanischen Buddhisten sind, wenn ich es richtig erinnere, Anhänger des Mahayana-Buddhismus, oder anders gesagt, Anhänger des kleinen Wagens. Wenn ich mir nur für einen kurzen Moment meine Fantasie spielen lassen würde und gedanklich die Kambodschaner den Buddhismus des 'Hinayanas' - großer Wagen verfolgen würden. Was könnte damit alles weg geschleppt werden.
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Wir haben ein Auto gekauft. Klingt ja total spannend, wird sich zumindest der Eine oder Andere denken. Wenn man jedoch kein Khmer kann und eigentlich auch keine wirkliche Ahnung von einem Auto hat, nicht weiß was man hier so braucht und viel lieber sowieso ein Motorrad hätte, welches aber noch weniger zu bezahlen ist, als ein altes, und ich meine wirklich sehr altes Auto, wird vielleicht erahnen, was jetzt kommt. Eigentlich muss ich nicht erwähnen, dass ich natürlich auch keinen noch so kleinen Schimmer von den Pflichten, von Steuern und Versicherungen in Kambodscha habe. Woher auch. Ich hoffte, wird wohl so sein wie der Straßenverkehr. Geht alles, warum auch immer. Also, wir haben ein Auto gekauft. Ich bin mit der völlig unbegründeten Vorstellung nach Kambodscha gekommen, es wird sich hier sicher ein alter Pickup finden, alt aber billig, mit dem werden wir, so dachte ich, über die mit Schlaglöchern gespickten Roads schweben. Ich sah uns in einem alten Amifilm, durchgehende Sitzreihe, Arm in Arm mit der Frau der Träume, aus dem Radio erschallt passende Musik. Ok, alte Autos verbrauchen viel Sprit. Da in Deutschland der, wegen der Steuer, so teuer ist, wäre das hier sicher, warum auch immer das dachte, kein Problem. Eine grausige CO2 – Bilanz, naja. Das Leben ist in der Regel dann doch nicht ganz so, wie in den Träumen. Kambodscha macht da, wie man bei einem Literpreis für Benzin von 1,40 USD sieht, keine Ausnahme.
Viele Leute berichten davon, dass sie nach langen Flügen immer Jetlag haben. Ich weiß ja nicht, was das ist. Ich hatte so was auch nicht. Man muss ja nicht immer jeden Trend mitmachen. Ich war die erste Woche einfach nur müde. Das dauert aber auch. Dabei wollte ich in den fünf Wochen in Phnom Penh so viel erledigen. Müdigkeit und 30°C ist aber auch eine wirklich schwierige Kombination. Zumindest, wenn man wie wir aus dem Winter kommt. In Khmer gibt es nicht mal ein richtiges Wort für Winter. Geschweige denn ein Wort für Schnee.
Und ein Auto hatten wir immer noch nicht. Ich machte mich dran, in diversen Onlineportalen nach Motorrädern und/oder Autos zu suchen. Als erstes war ich baff. Neuwagen, Bj. 2010. Was soll das bedeuten? Mondpreise. Einzige Erklärung, muss wohl am Dollarkurs liegen.
Dazu sollte man wissen, dass hier die Landeswährung Riel nur für kleine Einkäufe genutzt wird. Bei Einkäufen darüber hinaus, bezahlt man hier in USD. Auch wenn das für mich gewöhnungsbedürftig und auch ein wenig absurd ist, ist es auch sehr praktisch. Die üblichen Scheine sind 1.000 Riel-Noten. Es soll auch 100.000 Riel-Noten geben, ca. 25 USD. Habe ich aber noch nicht gesehen. Gelesen habe ich aber, dass diese Noten nicht in den Supermärkten, die es in Phnom Penh extra für die Barangs, gibt, angenommen werden. Barang ist die Bezeichnung in Khmer für Ausländer oder auch Franzosen, was wiederum irgendwie das gleiche ist. Stelle ich mir nun vor alles mit Riel zu bezahlen, würde ich zum Einkauf zwei Beutel mitnehmen müssen. Ein für die Waren und ein für die Riel-Noten. Obwohl, bräuchte ich ja nicht. Ein Beutel reicht. Ich lehre den Beutel an der Kasse und verstaue dann die Waren im „Geldbeutel“. Wäre nur zu hoffen, dass man immer alles im gleichen Laden bekommt. Blöd bloß, wenn man auf den Markt geht. Brauche doch zwei Beutel. Oder, nur theoretisch natürlich, wenn ich einen Neuwagen kaufen würde. Z. B. wie alle hier, einen Lexus. Neuwagen, Bj. 2010 erst 50.000 Miles. Kosten 80-100.000 USD. Das in Riel? Ich bräuchte einen Tieflader als Geldtransporter oder eins von diesen Mopeds (siehe Kapitel 1). Natürlich haben nicht alle Menschen in Phnom Penh einen Lexus. Ist ja auch nicht immer praktisch. Sieht auch doof aus einen Bauanhänger damit durch die Stadt zu fahren. Dennoch. So viele Luxusautomobile habe ich wohl noch nie auf einem Haufen gesehen. Ich bin mir auch nicht sicher, wie diese jeweils bezahlt wurden. Auf Neuwagen gibt es hier eine Steuer von 120%. Das in Deutschland wäre sicher undenkbar. Dennoch gibt es hier alles. Ferrari, Bentley, BMW, Mercedes und in diesem Jahr eröffnet ganz neu ein Porschezentrum. Das verwundert insofern, da das durchschnittliche jährliche pro Kopf Einkommen 2011 bei 830 USD lag. Aber ich kann und muss nicht alles verstehen. Vermutlich legen immer 1000 Khmer zusammen und kaufen ein Auto. Ist schon eine Leistung die Nutzung so zu koordinieren, dass alle was davon haben. Carsharing in Kambodscha. Ich vermute allerdings, dass gerade meine Fantasie mit mir durchgegangen ist. Es ist vielmehr so, wie der Werbeslogan im Flugzeug sagt: „come to Cambodia, the kingdom of wonders“.
Ach ja, wir hatten ja ein Auto gekauft. Da der Umzug nach Kampot am nächsten Morgen nicht genug war, haben wir ein Auto gekauft, was dann schnell und so nebenbei auch noch umgemeldet werden musste. Im Land der Wunder ist manches doch ein wenig anders. So müssen zum Ummelden beide, also Verkäufer und Käufer anwesend sein. Da wird der Autokauf auch ein wenig mehr gewürdigt. In Deutschland ist das alles ja auch viel zu anonym. Schön ist es, wenn zwei Leute, also ich und der Verkäufer, auch eine „Weißnase“, keine Ahnung vom Procedere haben. Zum Glück hatten wir Unterstützung einer Bekannten eines Bekannten, eines Kollegen eines Bekanntenbekannten ....
Nach einer kleine Irrfahrt durch die Stadt, auf der Suche nach dem Verkehrsministeriums, welches aufgrund der Entfernung nicht mehr auf unserer und natürlich einzigen Innenstadtkarte verzeichnet war, wartete bereits eine nette, ausschließlich khmersprechende Frau auf uns. Wie wir uns erkannt haben und ob es wirklich die richtige Frau war? Keine Ahnung. War mir dann aber auch egal. Ich habe natürlich keinen Schimmer wie und was in der Ummeldestelle passiert ist. Es sind auch nur Bilder in meinem Kopf. Gefühlt war halb Phnom Penh hier versammelt. Es kam mir aber irgendwie auch vertraut vor. Berlin, Montag. Jüterborger Straße. In der Berliner Ummeldestelle spricht auch keiner deutsch, oder traut sich nicht, weil die anderen Sprachen komischer weise immer lauter erscheinen als die eigene .... Aber da kam auch schon das oder besser ein Zeichen der „Ummeldefee“. Wir sollten uns in den Flur stellen und sie verschwand. Nach 10 Minuten kam sie zurück, schob uns in einen Raum, in dem wir, die Verkäuferin und ich, einen Daumenabdruck geben musste. Dach verschwand sie wieder für 10 Minuten und kam mit einem kleinem Zettel zurück, auf dem mein Name stand. Das sind nun die KFZ-Papiere. Sie bekam ihre ausgemachten 110 USD und entschwand. Nun sind wir richtige Autobesitzer in Kambodscha. Ohne die Frau säßen wir wohl immer noch da, verzweifelt und vermutlich weinend. Kurios. Fragen blieben. KFZ Steuern? Wird sich jedoch sicher irgendwann klären. Haftpflichtversicherung? Ist eigentlich auch hier Pflicht. Die Vorbesitzerin hatte das alles nicht .....
So nun war ich dran. Autofahren in Kambodscha. Meine erste Fahrt durch die Stadt ging erstaunlicherweise ganz gut. Wenn man einfach nicht nachdenkt, nicht zweifelt oder gar Angst bekommt, einfach fährt ist es einfacher, als es von Außen oder gar als Fußgänger aussieht. Bei den Ampeln irritiert und verunsichert man die anderen Verkehrsteilnehmer schon ein wenig, wenn man sie einfach, sagen wir mal, befolgt. Ein Hupkonzert ist das unvermeidliche Resultat. Bald wird aber klar, dass es eigentlich egal ist, was man tut. Gehupt wird sowieso immer und überhaupt.
Folgendes Bild: Eine vierspurige Straße. Zwei Spuren in die eine Richtung, zwei Spuren in die andere Richtung. Die Ampeln stehen auf rot. Alle, jedenfalls fast, warum auch immer, halten sich daran. Jeder will jedoch der Erste sein. So stehen ganz schnell auf der eigenen zweispurigen Seite fünf oder sechs Autos, Tuk-Tuks und Mopets nebeneinander an der Kreuzung. Da nun kein Platz mehr ist, muss eben die Gegenspur auch noch mit sechs Fahrzeugen zugestellt werden. Die Ampeln zeigen einem die Sekunden bis zum Start. Zwölf Gefährte stehen nun nebeneinander in einer Reihe. Dahinter reihen sich natürlich die nächsten ein. Alle warten auf das Startsignal. Ein kurzer Blick in die Gegenrichtung. Gleiches Bild nur anders herum. Es gleicht ein wenig einem amerikanischen Rugbymatch, dem sich die Gegner mit ihrer ganzen Montur gebückt gegenüber stehen. Klar ist eigentlich nur, wenn die Ampel auf grün wechselt - das kann nicht gut gehen. Die Motoren heulen auf. Es sind nur noch 8 Sekunden bis zum Start. Es ist gibt keinen Zweifel. Keiner wird auch nur einen Millimeter weichen. 5 Sekunden. Die ersten fangen schon an sich Zentimeterweise zu bewegen. Es zucken die gesamten mittlerweile 20 ersten Reihen. 3, 2, 1, Start. Eigentlich möchte man sich abwenden, um nicht das Unvermeidliche zu sehen. Geht aber nicht. Wie eine schorfige Stelle auf der Haut. Man möchte und sollte nicht kratzen, geht aber auch nicht. Dann passierte es. Das was ich Physik gelernt habe, was angebliche Wissenschaftler bewiesen haben wollen, stimmt nicht. Sie haben sich getäuscht. Wo ein Körper (Fahrzeug) ist, kann sehr wohl ein anderer sein. Ich habe es gesehen. Der Verkehr in Phnom Penh ist der Beweis. Alles fährt los und es gibt keinen Unfall, kaum einen jedenfalls für hiesige Verhältnisse, gehupe. Alles ist im Fluss bzw. wäre im Fluss, wenn da nicht so ein Barang, weil er es nicht fassen kann, mit weit geöffnetem Mund, mit seinem Auto die Straße blockieren würde. Immer diese Ausländer. Muss wohl ein neuer sein ......
Ein bisschen Respekt habe ich nun doch vor der langen Fahrt alleine im Auto von Phnom Penh nach Kampot. Ein neues Gefühl. So geht es also Fahranfängern aus der Provinz in Berlin.
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Es ist schon ein wenig aufregend, wenn man zum ersten Mal Gäste im neuen zu Hause erwarte. Hat man an alles gedacht? Wird man den Geschmack der Leute treffen? Werden wir uns anschweigen oder funktionieren die Gespräche trotz Sprachbarrieren? So viele Gedanken. Aber eigentlich haben wir an alles gedacht. Die Kochtöpfe und Gewürze aus der mitgebrachten Fracht befreit. Neues Geschirr in Phnom Penh erhandelt, nicht ohne glaubhaft und bildhafte dargestellten zu bekommen, in welche Ernährungs- und Gesundheitsprobleme die riesigen Familie des Verkäufers unweigerlich stürzen würde , wenn wir den doch so guten und natürlich ausnahmsweise nur für uns so günstigen Preis nicht bereit wäre zu zahlen. Besteck geputzt. Den zum Haus gehörenden, zwar viel zu kleinen, jedoch um so schwereren Tisch im Zimmer so gestellt, dass auch alle Platz finden. Sich immer noch ein wenig darüber ärgern, dass der Vermieter extra für uns hat Hocker herstellen lassen hat, die weder schön, noch praktisch, aber ca. 50 kg je Stück wiegend, sich auf Grund des Gewichtes natürlich wehren, an die von uns gewünschten Stellen bewegt zu werden. Aber der Vermieter dachte uns etwas Gutes zu tun. Die eigentlich zum Haus gehörenden Stühle bei unserem Einzug gerade mit den Hockern tauschend, wurde uns von ihm so einnehmend lächelnd erläutert, dass sie aus dem Holz „Mien“ sein, dessen Frucht uns durchaus schmeckt und in Khmei für „haben“ oder „Reichtum“ stünde. Sie sollen für uns als gutes Ohmen betrachten werden. Da war es natürlich nicht möglich, auf die schnöden Stühle zu pochen. Wir sitzen jetzt gesegnet, dafür aber fraglich bequem. Und gerne wollen, wie gesagt, die Hocker auch nicht ihren Platz verändern.
Zum Kochen gehört natürlich auch das Einkaufen auf dem Markt. Meine sonstige Technik des Einkaufens habe ich ausnahmsweise nicht genutzt. Gewöhnlich sieht es so aus: Was schönes und mir völlig unbekanntes auf dem Markt erstehen, dann nach Hause gehen, mit Hilfe des Internets versuchen zu bestimmen was es ist, dann ein Rezept suchen, manchmal auch finden, einfach loskochen und in der Regel genießen. Ich wollte nicht experimentieren, es sollte schon Khmer aber zur Sicherheit etwas bereits Erprobtes sein. Also ging ich vorbereitet auf den Markt. Vorbereitet heißt, kleine beschriebene Zettel mit den Zutaten, in Khmei aber im Umschrift. Bei unserem Khmeikurs haben wir die Schrift abgewählt, da uns das Sprechen schon schwierig genug erschien. Und außerdem hat das Khmer-Alphabet mit die meisten Buchstaben auf der Welt. Man möge verzeihen. Die Grammatik ist jedoch einfacher. Es gibt nur einen Fall und den kann ich theoretisch perfekt. So ähnlich ist es mit der Vergangenheit und der Zukunftsform. Es wir jeweils nur ein Wort in den Satz geschoben und jeder weiß, was gemeint ist. Also fast jeder. Ich zum Bespiel noch nicht so. Von Zetteln ablesen ist eben anders als Gespräche zu führen. Egal. Mit den kleinen Zetteln, Händen und Füßen und viel lächeln geht das schon ganz gut und wird auf alle Fälle gewürdigt. Mittlerweile werde ich schon quasi mit Handschlag begrüßt. Wenn ich die Melone vergessen würde, ich denke, sie wäre trotzdem in meiner Tasche. Trotz alle dem. Ein bisschen suspekt bin ich den Verkäufern dann aber doch. Nicht weil ich ein Barang bin oder seltsame Dinge kaufe. Völlige Verständnislosigkeit ernte ich, da ich mit Einkaufstasche ausgestattet vehement die angebotenen Plastiktüten ablehne. Und das in einem Land, in dem an den kleinen fahrbaren Ständen sogar die gekühlte Cola aus einer Flasche in eine normale kleine Plastiktüte zusammen mit ein wenig Eis und einem Strohhalm umgefüllt wird. Bei fast 40 Grad werden von den ca. 14 Millionen Kambodschanern eine ganze Menge Getränketüten gebraucht. Hier bräuchte es einen Herrn Trittin, der dann hoffentlich ein Plastiktütenpfand einführen würde. Mit einem Schlag wäre ich reich, wenn ich schnell genug sein sollte.
Ach ja, der Einkauf. An alles hatte ich gedacht. Zutaten für grünen Mangosalat, Garnelen frisch von Fischkutter für die Suppe, der schönste und frischeste Fisch zum Grillen vom Markt, allerlei Gemüse und Grünzeug deren Namen ich leider immer noch nicht aussprechen kann, allerlei Kräuter, Sojasoße, Fischsoße (Döck-drei), Austernsoße, kein Glutermat, was hier quasi sonst Grundbestandteil ist und natürlich sollte auch unser neuer Reiskocher seine Einweihung feiern. Alles war da, vorbereitet und zum Kochen bereit. Auch die Gäste kamen sehr deutsch, also pünktlich. Der Sun-downer typischer Weise ein Gin-Tonic war großartig. Nun ging es ans Kochen. Der kleine Grill loderte, der Reis kochte und nun sollte unser kleiner Herd seinen Dienst tun. Trotz Zuredens tat er es nicht. Es war so klar. Die Gasflasche war leer. Natürlich keine Ersatzflasche, 20.00 Uhr, völlig dunkel, neu in der Stadt und keine Ahnung wie das hier so gehandhabt wird und nicht zu vergessen: Hunger. In Deutschland wäre jetzt die Zeit, ein Pizza zu bestellen. Aber wir sind nicht in Deutschland. Aber was ist das eigentlich für ein Problem. Der Vermieter lächelte und rief den Gasmann an. Kaum 10 Minuten später fuhr natürlich ein Moped mit zwei Menschen und einigen Gasflaschen vor und wollten diese tauschen. Leider waren diese zu groß, wozu sollte man auch kleine Flaschen mit einem Moped transportieren, wäre ja Verschwendung. Die Anschlüsse passten nicht. Aber das ist ja nun wirklich eine Kleinigkeit. Da wird einfach die Flasche vom Nachbarn geholt. Der hatte ja schon gegessen. Was ist also das Problem?
Was soll ich sagen. Alles super. Mit nur ein wenig Verspätung waren wir dann auch glücklich, gesättigt und entspannt. Nur ein kleiner Rest, für die Ahnen, ist übrig geblieben.
Die richtige Gasflasche kam am nächsten Morgen genau pünktlich zum Morgenkaffee. In der Regel sitzen wir nun genüsslich damit auf unserer Terrasse und schauen uns zufrieden um.
Wir wohnen hier mitten in einer Bananenplantage, mit allerlei Viehzeug wie Hunde, Hühner, riesige Truthähne, Geckos, Schlangen, Echsen und natürlich Enten und Gänse, denen wir auch schon Namen gegeben haben: breakfast, lunch, supper, dinner. Das Leben auf dem Bauernhof. Na toll. Wollte ich ja immer schon. Besonders morgens, wenn die unzähligen Hähne, natürlich viel zu früh, der Meinung sind, dass nun alle genug geschlafen hätten oder die Hühner auch mal bei uns im Haus nach etwas essbaren schauen kommen. Als Ausgleich haben wir jedoch einen tollen Blick auf die Elefantenberge, den Fluss und dazu im Augenblick musikalische Untermalung. In der Trockenzeit bzw. nach der Ernte ist hier Hochzeitssaison, was hier mit lauter Musik, und ich meine wirklich laut, von 5 Uhr morgens bis in die Nacht begleitet wird. Die Idee ist scheinbar, auch die entferntesten Menschen, wo auch immer in der Welt, am glücklichem Ereignis teilhaben zu lassen. Da der Strom nicht immer zuverlässig ist, bringen die DJ´s ihre eigenen Stromgeneratoren mit. Ich kann jetzt die aktuellen Hits schon mitsingen. Aber das ist ja bald vorbei. Ab Ende April beginnt die Regenzeit, was auch bedeutet, dass wir ruhig schlafen können. Ich bin gespannt, was das verhindern könnte. Vielleicht der Regen. In einer Nacht habe ich schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Regentropfen ab einer bestimmten Größe können auch ziemlichen Lärm machen. Vor allem auf den schönen Wellblechdächern der Nachbarn. Soweit ist es jetzt aber noch nicht. Da werden wohl noch einige Gasflaschen gewechselt werden müssen.