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Es ist kaum zu glauben auf welch unterschiedliche Weisen der Mensch so schwitzen kann. Das Erleben des Wechsels der Jahreszeiten hier in Kambodscha ist schon wirklich besonders. Ich hätte das ja am Anfang nicht für möglich gehalten. Ich dachte, hier sei immer Sommer, okay in der Regenzeit regnet es vielleicht ein wenig mehr, aber sonst? Wie so oft im letzten Jahr wurde ich natürlich auch hier eines Besseren belehrt. Sommerwetter ist nicht immer Sommerwetter. Ab November ist es am schönsten, will sagen am einfachste zu ertragen. Am Tage so um die 30 Grad. Nachts etwas über 20. Das ist richtig toll. Wenn das immer so sein würde, das wäre echt super. Naja. Erste Änderung kamen im Dezember. Es war, das meine ich wirklich, richtig kalt. Na gut, ein wenig muss ich das relativieren. Für Kambodscha war es richtig kalt. Zumindest in der Nacht. Da wir mittlerweile auch verpimpelt sind, war es sehr hilfreich am Abend was langärmliges zu haben und in der Nacht eine schöne Decke. Im Norden sanken die Nachttemperaturen auf sage und schreibe 11 Grad. Im Radio gab es Sondersendungen, in denen erklärt wurde wie man sich richtig bekleidet. Kein Witz. Zum Glück konnte man sich am Tage ein wenig aufwärmen. Ab Mitte Januar wurde es dann auch wieder normal und blieb auch so. So einigermaßen. Im März wurde es dann langsam wärmer und es regnet vereinzelt. Die sogenannten Mangoschauer. Besonders in der Nacht merkt man die Veränderung. Die Decke wird zu warm und die Ventilatoren werden in der Nacht wieder in Betrieb genommen. Der April ist dann doch schon ein wenig eine Herausforderung. Die Temperaturen gehen selbst hier in Kampot auf die 40 Grad und, das ist die wirkliche Schwierigkeit, es wird Schwül. Es ist schon beeindruckend zu erleben, dass das alleinige sitzen auf einem Stuhl, ohne auch wirklich etwas zu machen, selbst denken ist zu viel, bewirkt das man schwitzt. Und nicht nur so ein wenig. Ware Sturzbäche ergießen sich über den Rücken. Nicht nur einmal hatte ich, wenn es mit dem Denken doch mal kurz wieder ging, so Gedanken wie: kann das mal jemand abstellen; es reicht; Schluss jetzt; Warum ist der Kühlschrank eigentlich nicht groß genug um sich da hinein zu setzen?; Wer hat bloß diese Sauna erfunden aber das Tauchbecken vergessen. Selbst das angeblich kalte Wasser aus der Dusche ist heiß. Kein Wunder, dass in Kambodscha die Menschen so viel schlafen. Da es selbst in der Nacht nicht wirklich kühler wird und das schlafen dadurch nicht so richtig gelingen will, fühlt man sich den ganzen Tag erschlagen. Ich habe wirklich so großen Respekt vor den Menschen, die bei dieser Temperatur draußen körperlich Arbeit verrichten. Das geht dann weiter bis Ende Mai. In der schwülen Hitze kommen die ersten Gewitter dazu. Die bringen leider nicht wirklich ein Abkühlung, sind jedoch sehr eindrucksvoll und sehr laut. Solch tolle Himmel habe ich noch nicht gesehen. Dann irgend wann, geht es in die Regenzeit über. Das komische ist, dass keiner den ich gefragt habe sich so richtig erinnern konnte wann das genau ist. Vielleicht kann man am besten daran fest machen, dass Ende Mai Anfang Juni die Reisfelder bestellt werden. Es ist einfach so, dass es plötzlich ständig regnet. Und nicht nur ein bisschen. Auch mal gern so zwei Wochen hinter einander. Spätestes im September hat man die Nase voll. Alles ist ständig nass. Die roten Sandstraßen erinnern ehr an Kürbissuppe und spätestens dann die Wahl eines Fahrzeuges mit Allradantrieb ein Segen. Und was noch nicht Kürbissuppe ist, wird überschwemmt. Wasser bis zum Horizont mit kleinen Stelzenhäusern und Bäumen. Wie kommen die eigentlich nach Hause? Auch unser Haus gleicht manchmal durch die eindringenden Wassermassen ehr einem Hallenbad. Es macht jedenfalls Sinn, dass die Zimmer bis 1,50 m gefliest sind. Aber auch so kleine Dinge wir das Trocknen von Wäsche ist eine Herausforderung. Die bester Erfahrungen haben wir gemacht, indem wir die Wäsche im Haus unter dem Deckenventilator aufhängen, der dann zwei Tage kräftig pustet. Oder wenn wider Erwartens die Sonne doch mal durch kommt, die Wäsche schnell draußen aufhängen, jedoch immer auf der Hut, dass die Wolken nicht heimlich doch mal kurz direkt über unserer Leine abregnen. Das ist leider nicht nur einmal passiert. Fast blauer Himmel, nur ein Wolke und die entleert sich dann genau über unserer Wäsche, die fast trocken war. Es sieht lustig aus, wenn man aus dem Fenster schaut und alle Nachbarn auch die kurzen Sonnenaugenblicke nutzen um ihre Wäsche zu trocknen. Die Wäsche gleicht einem Meer aus lauter Wimpel im Wind. Erinnert ein wenig an den Osterspaziergang, bei dem statt Blumen geputzte Menschen genommen werden. Es sind jedoch immer nur kurze Sonnenabschnitte. Schuhe fangen im Schrank an zu schimmeln, die warmen Sachen, die wir, weil sie hier nicht wirklich brauchbar sind und daher im Koffer geparkt werden, bekommen Stockflecken und entwickeln einen ganz eigenen Geruch. Also alles so richtig lecker. Nun wissen wir, warum es hier in der Regel keine Kleiderschränke gibt. Wir haben jetzt auch alle Sachen über eine lange Stange gehängt und es erinnert ein wenig an meine erste Wohnung. Kurios und ein wenig als Fremdkörper muten bei 30 Grad die langen Pullover und warmen Hosen an dieser Konstruktion an. Aber es schimmelt nichts. Also alles gut? Na ja. Wie immer: Hast du eine Lösung für die eine Herausforderung gefunden, ist die nächste natürlich nicht weit.
Die Regenzeit ist dennoch schön. Alles ist üppig. Die Reisfelder haben sich so ein unglaubliches Grün. Das Licht, wenn es am Abend mal nicht regnet ist so besonders. Und nicht zu vergessen, die Temperaturen sinken dann ab Oktober wieder in sehr erholsame Bereiche. Und dann dreht plötzlich der Wind. Der Regen hört auf. Die Sonne scheint. Die Natur explodiert förmlich. Die roten Kürbissuppenstraße werden trocken, dann hart und dann staubig. Also so richtig staubig. Wenn man hinter einem anderen Auto hinterher fährt, sieht man nichts mehr. Nur rot. Und dieser Staub kriecht durch alle Ritzen. Alles wird im Laufe der Zeit rot. Die Pflanzen, die Bäume, die Häuser, erst außen, dann innen. Das ganze Land versinkt unter einem roten Staubteppich. Man hat das Gefühl selber schon einen roten Schimmer anzunehmen. Oft genug hat man sogar den Geschmack auf der Zunge. Und der roter Staub riecht. Nicht schlecht oder schlimm. Aber er riecht. Und das Wischen der Böden wird sinnlos. Man fängt unten an, arbeitet sich so langsam nach oben, ohne nicht zwischen durch mindestens zwei mal duschen gehen zu wollen, und wenn man dann nach unten geht, müsste man eigentlich wieder von Vorne anfangen. Das ist so deprimierend. Es ist die Zeit, in der man am Abend lieber in der Stadt in einem Café sitzt. Da ist es wenigstens nicht der eigene rote Staub der einen umgibt. Dann kommt Weihnachten bei 30 Grad. Das unsrige Neujahrsfest und man gewöhnt sich langsam an den Zustand der völligen Verstaubung. Im Februar dreht dann wieder der Wind von Richtung Meer. Die Luft wird besser. Staub ist weg und es kommen die ersten kleineren Regenschauer und das ganze Spiel fängt von vorne an …
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Wir hatten viel Besuch in der letzten Zeit. Und das ist gut so. Aus mehreren Gründen. Zum ersten, na klar, weil wir Besuch hatten. Das ist um so schöner, da die Reise zu uns ja nun wirklich nicht so einfach ist, wie zum Beispiel eine Tagestour nach Brandenburg. Zum zweiten hatten wir so die Chance „unser“ Kambodscha zeigen zu können. Und, und das war das Besondere, Kambodscha wieder und wieder neu aus der Sicht eines Touristen zu betrachten. Auch wenn man sich die größte Mühe gibt sieht man viele Sachen nicht mehr. Das ist sicher normal und, das ist ist nicht zu vernachlässigen, auch gut so. Zumindest hier bei vielen Dingen in Kambodscha. Wie gesagt. Wir wurden von und durch unserer Besucher an die Hand genommen und haben das Land bereist.
Da wäre zum Beispiel Phnom Penh. Ein Moloch. Dreck. Krach. Gestank. Eine quirlige Stadt mit tausenden Tuk Tuks, Autos, Menschen. Eine einzige riesige Baustelle. Menschen die ihrem Tagwerk nachgehen. Menschen die viel schlafen, Menschen die fast immer lächeln, auch wenn es ihr Alltag oft nicht unbedingt hergibt. Bettelte Kinder, unbeschreiblicher Reichtum, bitter Armut. Und alles scheinbar allseits akzeptiert neben einander. Lexus und Obdachlosigkeit. Es sind die hier offen zu Tage tretenden Ungerechtigkeit, die oft so schwer zu ertragen ist. Eine das gesamte Leben durchziehende Korruption, die jegliche Entwicklung unmöglich macht. Eine System an deren Spitze ein Autokrat steht, der jegliche Veränderung im Keime unterdrückt und auch vor Gewalt nicht zurück schreckt. Tote als hinnehmbare Kollateralschäden. Menschen werden ohne Entschädigung von ihrem Land vertrieben damit dort neue Fabriken oder Kautschukplantagen gebaut werden können, in und auf denen Menschen unter teilweise furchtbaren Bedingungen für ein Hungerlohn arbeiten müssen, weil sie ja nun kein Land mehr haben, das sie ernährt. Und das vereinfacht gesagt, dass wir dann bei H&M und GEP die Klamotten billig kaufen können. Ich habe oft den Wunsch ob dieser Ungerechtigkeit und meines Unvermögens etwas dagegen machen zu können schreien zu wollen.
Phnom Penh hat aber noch eine andere Seite.
Neben dem eindrucksvollen Königspalast, dem Nationalmuseum und den vielen funkelnden Wat’s, Orange Mönche auf Mopeds, so bunte Märkte mit Blumen, Gewürzen, Klamotten und Schuhen, natürlich nicht in meiner Größe, Schmuck, Mopedersatzteile, Waschmittel, Fisch, Meeresfrüchte, Haushaltsgegenstände und Kosmetik. Alles dicht zusammen und teilweise an ein und dem selben Stand. Lachende Kinder die mit und im Wasser spielen. Abendlich mit lauter Musik gemeinschaftlich Gymnastik machende Menschen. Allgegenwärtig zu jeder Tageszeit gut besuchte Garküchen die leckere Gerüche verströmen. Eigentlich müssten die Menschen alle übergewichtig sein, denn es wird ständig gegessen. Und Sommer. Immer Sommer. Und dann beeindruckende Regenfälle, also wirklich beeindruckend meine ich.
Und die nicht so leicht zu findenden architektonischen Leckerbissen. Eine Mischung aus Bauhaus und Nierentisch. Kambodscha ist in den 50.-60. Jahren des letzten Jahrhundert eine ganz besonderen, eigenen Weg gegangen. Die durch die Jahre entstandene Patina ist wirklich außergewöhnlich. Daneben stehen alte Häuser aus der Kolonialzeit und schöne, okay oft aber auch nicht ganz so schöne Neubauten. Da auch hier die Bodenpreise explodieren teilweise richtig hohe Türme, die dann mit ihren tollen Dachterrassen bei einem kühlen Sun Downer einen atemberaubenden Blick über die Stadt erlauben. Phnom Penh hat nicht nur zwei Gesichter. Es sind vier oder sechs oder noch viel mehr. Es ist schon eigenartig und nicht wirklich möglich für mich zu positionieren, ob ich diese Stadt mag oder nicht. Es ist wohl von allem alles.
Durch unsere Besucher haben wir das Land zu unterschiedlichen Jahreszeiten bereisen können. Die Unterschiede zwischen Regen und Trockenzeit sind phänomenal. In der Regenzeit geschlossene Wasserflächen bis zum Horizont. Lustig anzusehen die vereinzelten Stelzenhäuser und Bäume dazwischen. Wolkenbildungen wie auf den Gemälden alter Meister. Faszinierendes Licht. Sonnenauf- und Untergänge in Farben, die ich so noch nie gesehen habe. Auch wenn ich doch nur malen könnte. Später sind die gleichen Flächen riesige Reisfelder. So ein sattes Grün. Das Licht ist anders. Dann später im Jahr die gleichen Flächen nach der Ernte. Nun ist alles gräulich-braun. Da man jetzt die Begrenzungen der Felder erkennen kann, sieht es ein wenig wie ein Spielbrett aus. Vierecke bis zum Horizont und die vereinzelten Kühe sind die Spielfiguren. Die Sonne und die Hitze drückt. Die Luft flimmert. Der Wind weht den roten Staub über die Landschaft und alles scheint ein wenig rötlich zu sein. Wenn ich es so überlege, gilbt es, auch hier so große Unterschiede der Jahreszeiten wie in Deutschland, Nur mit dem Unterschied, dass hier ein kurze Hose immer die beste Wahl ist.
So unterschiedlich die Reisfelder auf mich wirkten, so verschieden waren auch die Besuche der Tempelanlagen von Angkor Wat. Am Ende der Regenzeit ist alles saftig grün. Alles ist durch die vergangenen Regenfälle gereinigt, bereit für die kommenden Menschenmassen aus aller Herren Länder. In der Trockenzeit machen die Menschenmassen den Genuss teilweise zu einer Herausforderung. Zum Glück besuchen die meisten Gäste jedoch nur die drei/vier „Haupttempel“ die auch in allen Reisekatalogen angepriesen werden. Wenn man jedoch bedenkt, dass diese Stadt zu ihrer Blütezeit eine Ausdehnung von ca. 60 km hatte und jeder einzelne Herrscher für sich einen Tempel hat bauen lassen ist schon klar, dass es gar nicht schwer ist, mit einem guten Führer, Orte und Tempel zu finden, in denen keine Touristen unterwegs sind. Diese Stille ist dann Atemberaubend. Man wird förmlich in die Vergangenheit gezogen. Es entstehen plötzlich Bilder vor den Augen, wie die Menschen damals hier gelebt haben. Das ist so schön.
In der Regenzeit ist die Anlage wieder anders. Unabhängig davon, dass die meisten Tempel nicht zu erreichen sind, da sie oder die Wege zu ihnen unter Wasser stehen. Die Wände sind in einem so wunderbarem Grün bemoost, Flechten strahlen in den tollsten Farben. Besonders das strahlende Orange ist beeindruckend. Es erinnert so sehr an die Umhänge der Mönche. Am eindrücklichsten sind jedoch die Geräusche des Wassers. Überall tropft es von den Decken, läuft es aus den Wänden und plätschert es in den Pfützen. Es ist eine so laute, harmonische Stille die einen förmlich gefangen nimmt. Es ist wie Musik. Verspielte bachsche Klaviervariation, schwebend verträumte Werke von Claude Debussy gepaart mit der teilweisen Schwere von Gustav Mahler. Es fällt schwer sich loszureißen. Sich dem zu entziehen ist in der Tat unmöglich.
Ein absolutes High light war bei unserem letzten Besuch, mit unserem Besuch der Frauentempel Bantel Srai. Aus dem 9 Jahrhundert ist er der ungewöhnlichste. Und das nicht nur wegen der unglaublich filigranen Steinmetzarbeiten. Er ist anders. Besser wäre jedoch zu sagen: „sie“ ist anders. Sind die anderen Tempel absolut männlich geprägt, sehen doch die Kriegsdarstellungen, Mord und Todschlag im Vordergrund, ist der Frauentempel genau das Gegenteil. Schönheit, Leben, Friedfertigkeit. Ich habe nur eine Darstellung gefunden, die ein wenig davon abweicht, jedoch ist mir deren Bedeutung verborgen geblieben. Es würde mich jedoch nicht wundern wenn ein werben für Freundlichkeit und Friedfertigkeit dahinter stehen würde. Die gesamte Anlage ist aus rotem Stein geschlagen und so schön. Dieser Zauber scheinen sich bei allen Besucher breit zu machen. Im Gegensatz zu den anderen Tempeln liegt trotz der vielen Besucher eine feierliche Stille in der Luft. Kein Geschrei, kein Geschubse, kein Gerenne. Das ist aber wirklich kein Wunder. Diese Steinmetzarbeiten sind so einmalig, so besonders, so groß. Ich hab keine Ahnung, wie die Menschen das damals geschafft haben diese mehrere Quadratmeter großen Darstellungen in den Stein zu schlagen, ohne abzurutschen, ohne Fehler zu machen. Nur einmal daneben heuen und schon ist die Arbeit von Wochen oder gar Monaten unwiederbringlich zerstört. Seit einigen Jahren wird nun diese Anlage liebevoll restauriert. Einige besonders gefährdete Objekt wurden kopiert und die Originale ins Nationalmuseum nach Phnom Penh gebracht. Leider ist auch dieser Tempel wie alle anderen nicht nur wegen der Jahrhunderte Regenzeit gefährdet. Problematischer sind mittlerweile unabhängig von den Millionen von Touristen, die Diebe, die versuchen das Weltkulturerbe für sich zu versilbern. Leider gibt es zu viele Menschen, die das dann auch kaufen. Bei der Armut hier, sollte man nicht ausschließlich den kleinen Dieben die Vorwürfe machen. Es kann aber auch schief gehen. Im letzten Jahr wurden Buddhastaturen aus dem 9. Jahrhundert geklaut und dann vermeintlich für viel Geld an reiche Amerikaner oder Chinesen verkauft. Es waren jedoch Kopien. Zum Tost für die Käufer, es waren ganz neue. Gerade mal ein paar Wochen alt. Wenn die so lange halten wie die Originale, werden die vielleicht auch wertvoll. Also eine Investition in die Zukunft. Ich hoffe, dass sie richtig viel Geld hinlegen mussten und erst zu Hause den kleinen Aufdruck „Made in China“ gefunden haben.
Auf jeden Fall werden wir diesen Tempel wiederholt besuchen. Ich hoffe, wir bekommen bald wieder Besuch. Dann können wir wieder die Tempel besuchen …
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Es gibt trotz einiger nicht so schöner Dinge, die das Leben im hier teilweise nicht so einfach machen, viele Vorteile, die auf jene Fall nicht zu unterschätzen sind und, wenn ich ganz ehrlich bin, die Schwierigkeiten oft auch aufwiegen. Einer der größten Vorteile ist sicher, dass wir da wohnen, wo andere Urlaub machen. Wenn für die meisten auch nicht unbedingt hier in Kambodscha, dann jedoch auf jeden Fall in der benachbarten Ländern. Und bei ein bis zwei Stunden Flugzeit ist man in den, für viele Deutsche, Urlaubsparadiesen. Thailand, Vietnam, Laos, Bali, China, Kuala Lumpur, Singapur. Selbst nach Australien ist es, wenn man die Strecke von Deutschland aus vergleicht auch nicht mehr wirklich weit.
In Kambodscha gibt es viele, viele Feiertage. Vermutlich fast so viele wie in Bayern. Das ist schön für uns und natürlich für die Menschen hier. Urlaub ist für die meisten Angestellten in Kambodscha ehr etwas unübliches. Durch die vielen Feiertage gibt es dennoch die Möglichkeit die Familien zu besuchen. Die meisten freien Tage gibt es natürlich in der heißesten Zeit. Im April-Mai ist es kaum möglich auch nur 4 Tage hintereinander zu arbeiten. Wenn ich ehrlich sein soll, bei diesen Temperaturen gepaart mit der hohen Luftfeuchte, wer kann bzw. möchte da auch länger. Also wir sind sehr froh darüber, wobei natürlich auch nicht verheimlicht werden kann, dass die meisten Menschen hier trotzdem Arbeiten müssen. Ein bis zwei Tage frei pro Monat, Feiertage hin oder her, ist hier ehr die Regel.
Aber zurück. Die Zeit kurz vor der Regenzeit im April-Mai ist toll, da man es mit zwei Urlaubstagen schafft, zwei Wochen frei zu haben.
Nachdem wir nun schon einige Reisen innerhalb Kambodschas unternommen haben, wollten wir unseren Radius vergrößern. Unsere Wahl fiel als erstes auf Thailand. Traum vieler Menschen, also nix wie hin. Auf Stadt hatten wir noch keine Lust, es musste eine Insel sein. In Kampot gibt es einige kleine Reisebüros, na ja, so was in der Art. Man erkennt sie daran, dass vor den Türen handgeschriebene Schilder hängen, die solches suggerieren. Auf Aufstellen werden Angebote Pfeil geboten wie: in 8 Stunden nach Bangkok, in 6,5 Stunden nach Saigon (HCMC) und eben auch Reisen auf thailändische Inseln. Unser erstes Ziel war schnell gefunden. Koh Samet. Eine kleine Insel im Golf von Thailand. Ein Bungalow direkt am Strand gab es auch. Blieb die Fahrt dahin zu organisieren. Nur 6 Stunden Reisezeit in einem VIP-Bus. Super. Das machen wir. Die ersten kleinen Einschränkungen bzw. Extras wurden dann auch schon beim Kauf der Tickets erläutert. Es sei keine Hochsaison, also ein Bus fährt nicht von Kampot. Nur ein Kleinbus. Okay, kein Problem. Also Kleinbus. Machen wir. Als nächstes wurde uns empfohlen, doch eine ganze Reihe für uns zu reservieren. Na der Verkäufer wird es ja wissen. Machen wir. Na ja, der Bus fährt auch nicht bis zur Fähre in Thailand. Aber bis zur Grenze ist ja auch schon ein gutes Stück. Okay. Also nur bis zu thailändischen Grenze und von da fährt dann direkt ein Anschlussbus zur Fähre? Also bestimmt. Vielleicht. Wer weiß. Hatten wir so wirklich eine Alternative. Das Zimmer war bezahlt, Urlaub war nötig und die Vorfreude riesig und wir wollten nach Koh Samet. Okay. Dann also bis zur Grenze. Machen wir. Und dann nur der Vollständigkeit halber, es war dann ehr auch kein Kleinbus sondern ein normales Großraumtaxi. Uff. Aus der Sache kommen wir so nicht mehr raus. Wir wollen ja auch in den Urlaub. Wird eben ein richtiges Abenteuer und der Verkäufer war ja auch wirklich freundlich und bemüht.
Der Tag der Abreise. Das Vehikel sah ganz gut aus. Also alle Räder waren da. Fenster gab es. Die Türen ließen sich scheinbar auch schließen und es gab Sitze. Einige. So 10-11 vielleicht. Wer weiß das schon so genau. Spielt ja auch nicht wirklich eine Rolle. Wer zahlt fährt mit. Es waren dann am Ende 26 Menschen, 2 Schweine, 7 Enten, 2 Motorroller, 50 Säcke Reis und noch so das eine oder andere Gepäckstück. Das wir eine ganze Reihe gemietet hatte wurde respektiert, jedoch bedeutete es nicht, dass weniger Menschen mitgenommen wurden. Es wurde auf den anderen Plätzen eben enger. Lange haben wir das nicht ausgehalten und haben dann unsere Reihe auch der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Und es ging. Es gab nur eine kleines Manko. Das Unterhaltungsprogramm. Die meisten Kambodschaner lieben Karaoke. Und dieser Liebe wurde Rechnung gezollt. So richtig. Dieses fahrende Dings einpuppte sich als einer fahrenden Karaokemaschine. Keine Ahnung wo die Lautsprecher und Subwoofer versteckt waren. Aber es gab sie. Und sie waren laut. Ein Flachbildschirm hing beim Fahrer an der Decke. Er wollte ja auch was sehen. Dann ginge los. Die Musik wurde minütlich mehr und mehr zu einer Herausforderung. Khmerische Schlager mit viel und sehr laut geteiltem Herzschmerz. Ich wollte das aber nicht wissen oder hören. Half aber nicht. Den anderen hat es gefallen. Und dann waren wir, natürlich nicht in vier Stunden, an der Grenze. Am Ende waren es sechs, da der Bus an jeder Heugabel anhielt. Es war ein Kommen und Gehen. Wir waren die einzigen, die es bis zu Ende aushielten oder aushalten mussten. Aber wir waren an der Grenze. Die Frage war nur, schaffen wir es bis um sieben zur letzten Fähre? Kaum die Hälfte war geschafft. Zurück? Niemals! Also weiter. Ein freundlicher Kambodschaner führte uns schnell und unkompliziert über die Grenze, was er sich gern von uns „freiwillig“ bezahlen ließ. Was der Vorteil seiner „Hilfe“ war, keine Ahnung, hat sich nicht wirklich erschlossen.
Da waren wir nun. Das war also Thailand. Für mich immerhin das erste Mal. Der Grenzübergang glich einem riesigen Güteraustauschknotenpunkt. Waren wurden auf der thailändischen Seite von LKW´s auf Handkarren geladen, über die Grenze gebracht und dort wieder in die Überlandtaxis, wie unserem, geladen und dann in Kambodscha verteilt. Von Maschinenbauteilen bis hin zu Klobürsten. Alles dabei. Wozu gibt es in Deutschland eigentlich riesige Verladehallen und Knotenpunkte. Geht doch auch so. Wenn was kommt, wird verladen, wenn nicht, auch gut.
Schnell war ein Kleinbus gefunden, der uns zur Fähre fahren wollte. Es dauerte auch nur ein Stunde, bis es dann weiter ging. Aber wie sollen wir in gerade drei Stunden über 300 km schaffen. Es gibt ja keine Autobahnen und Kleinbusse fahren ja nicht so…, halt, bei einem Blick auf den Tacho wurde mir dann doch etwas mulmig. Auf einer Landstraße mit über 180 km/h zu fahren ist dann ja doch recht sportlich. Und das Schönst, wir wurden noch von anderen Kleinbussen überholt. Blieb also nur die Hoffnung, dass die vielen Plastikbuddhafiguren auf dem Armaturenbrett auch das halten, was sie versprechen.
Obwohl der Fahrer wirklich alles aus seinem Bus und den Gästen heraus holte, die letzte Fähre war weg. Zum Glück fuhren aber noch Schnellboote. Klar teurer, aber was blieb uns übrig. Uns wurde empfohlen wären der Fahrt doch lieber hinten zu sitzen. Wir wollten aber den schönen Blick haben. Über das Meer auf eine Insel zu fahren ist doch jedes Mal wieder schön. So wie unsere Fahrten auf die Insel Hiddensee. Vorfreude machte sich breit. Aber noch waren wir nicht am Ziel. Beim Einsteigen auf das Boot habe ich so nebenbei die Zahlen auf den zwei Außenbordmotoren gesehen. 400 PS. Na gut warum nicht. Und wir fuhren los. Obwohl. Da es relativ wellig war, flogen wir ehr. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird dann Wasser doch recht hart. Es fühlt sich so an, als wenn dich jemand immer wieder auf eine Betonplatte staucht. Immer wieder und immer wieder. Und es hörte nicht auf. Bei jede Welle, ein mal Stauchen bitte. Zum Glück konnte man durch die Lautstärke der Motoren und des Windes nicht das unweigerliche Krachen der Wirbelsäule hören. Es muss laut gewesen sein. Nach einer sehr langen halben Stunde waren wir dann da. Okay, nicht an dem Strand an den wir wollten, aber auf der Insel. Es ist so besonders, wenn einem das Gefühl überkommt, jetzt ist Urlaub, sofort, ab jetzt. Wir sprangen direkt vom Boot am Stand ins Wasser. Unser Gepäck über dem Kopf. Warmes Wasser, Sand und die schön beleuchteten Restaurants am Beach. Es war grandios. Wenn es dann nur auch unserer Stand gewesen wäre. Aber wenn ich das ins Verhältnis zu den Strapazen des Tages setze. So unwichtig. Am Ende war dann alles gut. Wir saßen an unserem Strand vor unserem Zimmer. Auch wenn natürlich das Restaurant schon geschlossen hatte, das Bier und die Erdnüsse aus der Minibar waren ein Hochgenuss.
Es folgte eine so schöne Woche Urlaub. Kilometerlange Spaziergänge an menschenleer Stränden. Ausgedehnte Mopedtouren über die Insel. Am Anfang waren wir ein wenig belustigt, dass unser Motoroller Stollenprofilreifen hatte. Bei unseren Fahrten in den Süden der Insel waren diese dann nicht nur hilfreich sondern unverzichtbar. Die Straße? Okay, so was ähnliches. Ein Bulldozer ist da wohl mal so durch den Urwald gefahren, Steigung, Bäume, Steine hin oder her. Die Verdichtung hat dann der Regen übernommen und fertig war die Inselstraße. Nicht nur einmal musste einer von uns Beiden nebenher laufen weil entweder der Motor die Steigung nicht schaffte oder die Reifen sich „metertief“ in den Waldboden frassen. Es war so ein Spass. Die Tage flogen dahin und das so schön. Weiße Strände, glasklares Wasser, bunte Fische, traumhafte Sonnenuntergänge und frisch gegrillter Fisch am Stand und das Meer, dass im Laufe des Abends sich langsam unter den Tischen der Standbars ausbreitet. Das hätte ewig so weiter gehen können. Aber dann wäre ja die Rückfahrt unerlebt geblieben.
Eigentlich fing alles ganz normal an. Wir hatten geplant zurück alles gleich zu machen. Also mit dem Schnellboot zum Festland, dann mit einem Minibus bis zur kambodschanischen Grenze und dann mit einer rollenden Karaokemaschine zurück nach Kampot. Am Abend dann auf unserer Terrasse einen Sundowner. Und hat es so geklappt? So ein bisschen. Also quasi. Den Sundowner gab es in der Tat, nur eben dann später und auch nicht wirklich in Kampot. Aber immerhin in Kambodscha.
Anfangs lief alles so wie geplant. Das Schnellboot holte uns auch wirklich an unserem Strand ab. Gleiches Spiel. Mit der Tasche auf dem Kopf, durch das Wasser aufs Boot. Wieder lautes Krachen der Wirbelsäule, zum Glück auch dieses Mal nicht zu hören. Ein Kleinbus zur Grenze wartete wie verabredet am Pier. Nach mehrmaligen Nachfragen, ob dieser Kleinbus auch wirklich zum Grenzübergang in Koh Kong führe, waren wir zufrieden. Es ging pünktlich los. Eins verunsicherte uns dann später. Nach einer Stunde Fahrt war das Meer nicht mehr zu sehen. Schon eigenartig wenn man die Straße eigentlich direkt am Meer vermutet. Die Landschaft sah auch fremd aus. Aber alles sollte ja richtig sein. Bestimmt eine Abkürzung. Die vielen Plastikbuddhastatuen auf dem Armaturenbrett werden schon den richtigen Weg weisen. Habe sie ja dann auch, doch, so ein wenig, im großen und ganzen und wenn man die ganze Sache vom Mond aus betrachten würde, ganz genau und auf den Punkt getroffen. Hurra, Grenze zu Kambodscha und auch nur ca. zwei Stunden später als geplant. Und das Schönste, fünf Stunden fahrt um noch weiter vom Ziel, Kampot, weg zu sein. Aber wir waren an der Grenze. Nach einem Blick auf die Karte wusste wir auch wo. Leider nicht im Sünden sondern im Norden von Thailand. Pailin. Eine Gegend, die wir laut Aussage der Botschaft meiden sollten. Bis heute eine Hochburg der Khmer Rouge. Nur das das Geld heute mit Casinos, Abbau von Edelsteinen und Verkauf von Tropenholz verdient wird und natürlich alles an Phnom Penh vorbei. Die Einreise war dennoch einfach. Wir wurden auch gleich von freundlichen Menschen, natürlich jeder für sich sehr diskret und unaufdringlich, dann doch in der Masse sehr herausfordernd, auf die unterschiedlichen Reismöglichkeiten hingewiesen. Siem Reap, nicht mal zwei Stunde, Bangkok 5 Stunden, Mist, falsche Richtung, Batambang 3 Stunden. Vientiane in Laos auch nicht weit. Nur eben Kampot fehlte. Keine Chance, außer mit dem Taxi für 200 USD. Zu guter Letzt fanden wir einen Kleinbus mit kambodschanischen Studenten, die uns für ein paar USD mit nach Phnom Penh mitnehmen wollten. Auch wenn der Fahrer kurz nach der Abfahrt nochmals umkehrte, um dann doch noch mal mit uns den Preis ein wenig von allen Seiten und unter Berücksichtigung seiner und unserer Situation betrachten wollte um schlussendlich eine Anzupassen zu seinem Gusten vorzunehmen. Na gut. Wir waren 8 Stunden später, dank Karaoke Hörsturz inclusive, der Hauptstadt. Zum Glück gab es sogar in unserem Lieblingshotel auch noch ein Zimmer für die dann mittlerweile sehr kurze Nacht. Mit einem Tag Verspätung und einer entspannten Busfahrt ohne Karaoke, was aber dank der Taubheit sowieso egal gewesen wäre, kamen wir glücklich und sicher in Kampot an.
Was für ein Abenteuer. Das nächste Mal müssen wir etwas anders machen, keine Ahnung was, aber anders. Ich glaub ich werde zu alt für solchen S…